Der FC Union Heilbronn freut sich, die Zusammenarbeit mit Robin Neupert über den Winter hinweg zu verlängern und die erfolgreiche Arbeit fortzusetzen. Unter der Regie des 34-Jährigen holten die ADLER zum Ende der Hinrunde aus acht Spielen starke 19 Punkte und befinden sich wieder in Schlagdistanz zur Tabellenspitze. Auch der Vorbereitungsstart zur Rückrunde verlief mit dem Gewinn der Stadtmeisterschaften positiv, wobei der Hauptaugenmerk auf die kommenden Einheiten und Spiele liegen wird. Im Folgenden ein ausführliches und absolut lesenswertes Interview mit einem Rückblick auf die Hinrunde sowie einem Ausblick auf die bevorstehenden Aufgaben.

 

Hallo Robin, du hast die Mannschaft mit der Niederlage in Friedrichshall übernommen und mit 19 Punkten aus den letzten acht Spielen wieder an die Spitzengruppe der Liga herangeführt. Besonders eindrucksvoll ist das Torverhältnis von 20:7 Toren. Wie betrachtest du rückblickend das Ende der Hinrunde?

Zuerst mal möchte ich Torsten und Alex für die Arbeit mit den Jungs danken, die Jungs waren und sind auf einem sehr guten Fitnesslevel. Ohne die Vorbereitung von den beiden hätten wir nicht diesen Vollgasfußball, den ich erwarte, spielen können. Dann möchte ich mich für das Vertrauen und den Umgang mit mir bei der Union bedanken! Von Anfang an habe ich mich als ehemaliger FC Heilbronner hier wieder wohl und geschätzt gefühlt. Natürlich auch vielen Dank an Türkspor, dass das alles so unkompliziert geklappt hat und ich die Möglichkeit habe, gleichzeitig Cheftrainer bei der Union und Co-Trainer bei Türkspor zu sein.

Jetzt zur eigentlichen Antwort auf die Frage: Ich denke, wir können sehr zufrieden mit dem Verlauf sein. Es war natürlich ein Wunschdenken, dass es so läuft, aber so richtig hat es den Jungs niemand zugetraut, egal ob die Zweifel von außen kamen oder teilweise kritische Stimmen im Vereinsumfeld laut wurden. Ich kannte einige Jungs und habe im Vorfeld drei Spiele der Union gesehen. Ich dachte mir hier immer, dass diese Mannschaft unter ihrem Niveau und ihren Möglichkeiten spielt. Woran das lag, ist als Außenstehender aber schwer zu beurteilen.
In Friedrichshall war ich schon begleitend dabei und habe mir mein Bild gemacht, aber nicht eingegriffen. Danach habe ich überlegt, wie wir das, was schon gut läuft, stärken  und das, was nicht so gut gelaufen ist, schwächen können. Mir geht es immer darum, die Stärken zu stärken und die Schwächen zu schwächen. Ich habe mir den Kader angeschaut und versucht, ein System zu finden, bei dem jeder Spieler auf seiner möglichst besten Position spielt. Gelungen ist mir das leider nicht immer, aber die Jungs haben, egal was ich ihnen gesagt habe oder wo ich sie aufgestellt habe, Vollgas gegeben und die Vorgaben – ohne zu meckern überragend umgesetzt.
Gearbeitet haben wir vor allem an zwei Punkten: Einerseits an den offensiven Abläufen und dem Spiel im letzten Drittel, um torgefährlicher zu werden. Andererseits an der defensiven
Stabilität, um weniger Gegentore zu fangen.

Wir haben dann das System umgestellt und alles ein bisschen umgekrempelt. Es war riskant und ungewohnt für alle, aber es wurde angenommen und sehr hart gearbeitet!
Am Ende der Hinrunde können wir denke ich sagen, dass wir für das Risiko und die harte ehrliche Arbeit belohnt wurden. Aber das Wichtigste war mir von Anfang an, dass wir den Spaß wieder in der Vordergrund stellen und klarzumachen, dass es letztendlich „nur Fußball“ ist.
Wir haben keinen Druck, wollen Spaß zusammen haben, als Team zusammenwachsen und eine gefestigte Einheit werden, dann kommt der Erfolg von alleine. Zu verlieren hatten wir nichts mehr, da keiner mehr mit uns rechnet und das wollten wir als Chance für uns nutzen und jedem das Gegenteil beweisen. Das haben wir echt gut hinbekommen.

 

In der Winterpause wurde der Kader moderat angepasst. Mit welchen Zielen gehst du in die Rückrunde und worauf legst du besonders wert während der Rückrundenvorbereitung?

Wie oben schon erwähnt, möchte ich die Stärken weiterhin stärken und die Schwächen weiterhin schwächen. Wir werden besonders in unserer Spielanlage nach vorne sowie im Umschaltspiel bei Ballgewinn und Ballverlust arbeiten. Unsere Abläufe wollen wir verfeinern und auch unser Passspiel muss verbessert werden, da es sehr schlampig und unsauber war. Was zudem ein großer Punkt sein wird, ist das gemeinsame Verteidigen gegen den Ball im Block.
Egal, ob beim hohen Anlaufen im Pressing oder im tiefen Block in der eigenen Hälfte.
Wir haben 28 Punkte in der Hinrunde geholt und den Anschluss nach oben hergestellt.
Ziel ist es unter anderem, weniger Gegentore zu schlucken, mehr als 28 Punkte zu holen und somit besser abzuschneiden als in der Hinrunde. Außerdem möchten wir so lange wie möglich die Favoriten Aramäer, TG Böckingen und Lauffen ärgern und auf Schlagdistanz sein.
Es wird ein enges Rennen um die vorderen Tabellenplätze, zu dem ich ebenso Schwaigern und Pfedelbach zähle. Schwaigern hat uns am letzten Spieltag der Hinrunde gezeigt,was Männerfußball ist und uns komplett verdient geschlagen. Pfedelbach wird in der Rückrunde definitiv marschieren und gilt für mich daher auch zu dem breiten Favoritenkreis um den Aufstieg.
Uns zähle ich da dieses Jahr noch nicht dazu, dafür sind wir noch nicht gefestigt genug und müssen noch etwas an Erfahrung dazugewinnen.

 

Die Mannschaft hatte mit dem Spiel gegen Pfedelbach, als man mit vier Spielern weniger auf dem Platz das 2:1 über die Ziellinie brachte, und dem Derbysieg gegen die Aramäer, als man wieder zur Spitze aufschließen konnte, zwei besondere Momente. Was zeichnet die Mannschaft aus und was ist noch drin für diese Saison oder auch langfristig betrachtet?

Das Spiel gegen Pfedelbach habe ich live gesehen, sowas habe ich in meinen knapp 30 Jahren Fußball noch nie erlebt. Wie die Jungs alle Widerstände getrotzt haben, weiter gemacht haben, an sich geglaubt haben, war der Wahnsinn! Diesen Zusammenhalt und die Opferbereitschaft zu sehen, war beeindruckend. Das Spiel, die Art und Weise sowie das Ergebnis hat der Mannschaft Mut und Selbstvertrauen zurückgegeben. In Nachhinein, einige Monate später, weiß ich, warum die Jungs das geschafft haben, da haben sie nämlich ihr wahres Gesicht gezeigt.
Das durfte ich dann zum Glück in den folgenden Wochen täglich im Training und in jedem Spiel live miterleben. Die Mannschaft lebt, jeder ist für den anderen da und sie gehen füreinander durch Feuer! Unangenehme Themen im Team werden klar angesprochen und von der Mannschaft geregelt, das habe ich selten so erlebt. Die Jungs machen es mir echt einfach und ich muss selten bis gar nicht eingreifen bei den Themen. Der Derbysieg gegen die Aramäer hat uns gezeigt, dass wir mit den dicken Fischen der Liga mithalten können, allerdings war hier auch nicht alles Gold was glänzt. Wir waren von der Spielanlage her besser, aber nicht zielstrebig und sauber genug.
Wir hatten in diesem Spiel Glück, nicht zurückzuliegen, aber haben uns das Glück einfach auch hart erarbeitet. Letztendlich haben wir 1:0 gewonnen und das Ergebnis zählt bekanntlich im Fußball.
Was ist also noch drin diese Saison: Ich denke, wir können jede Mannschaft bespielen und schlagen, wenn wir an unser Maximum gehen! Tun wir das nicht, werden wir untergehen.
Jeder will die Union schlagen und gibt in den Spielen gegen uns nochmal mehr als gegen andere Mannschaften. Was ich bis jetzt erlebt und mitgenommen habe ist, dass man schon einen gewissen Hass gegenüber der Union verspürt, das gilt es als Motivation zu nehmen und mit Leistung zu überzeugen.

Was langfristig noch drin ist, müssen wir schauen. Ich bin jetzt bis zum 30.06. da und versuche, mit den Jungs das Maximum zu erreichen. Was danach passiert, steht in den Sternen. Darüber muss sich der Verein zu gegebener Zeit Gedanken machen, sei es personell, sportlich oder infrastrukturell.

Vielen Dank für ausführliche Interview und weiterhin viel Erfolg!

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