Wenn der FC Union Heilbronn am kommenden Samstag um 15:30 Uhr den FSV Schwaigern empfängt, können die ADLER Historisches schaffen: Denn erstmals seit der Fusion kann der Verein in den überregionalen Fußball zurückkehren. Wir haben für euch einen Blick in die Vergangenheit geworfen und uns mit Kapitän Kevin Herrmann unterhalten, der mit 32 Jahren seine vierundzwanzigste (!!!) Spielzeit für den Heilbronner Verein absolviert.

Werfen wir einen Blick zurück, so kann die lange Leidenszeit am Samstag mit der Meisterschaft und dem Aufstieg in die Landesliga ein Ende nehmen. Nach der Fusion zum FC Heilbronn spielte der direkte Vorgängerverein, nachdem man 2004 aus der Verbandsliga abstieg, bis 2011 durchgehend in der Landesliga und musste hier den bitteren Abstieg aus der Landesliga hinnehmen. Der zweite Vorgängerverein FV 08 Böckingen spielte in der Saison 2004/05 in der Landesliga und verpasste vor der Fusion zum FC Union Heilbronn den Aufstieg über die Relegation. Als FC Union Heilbronn folgten seit 2012 insgesamt 14 Spielzeiten unterhalb der Landesliga. Neun Top-5-Platzierungen (!), vier Vizemeisterschaften und zwei Pokalsiege während den Bezirksligazeiten dokumentieren eine erfolgreiche Zeit, der große Wurf könnte am Samstag endlich erfolgen.

Bis auf zwei Spielzeiten, als der FC Union Heilbronn nach turbulenten Zeiten aus der Bezirksliga abstieg, in der Saison darauf jedoch den Betriebsunfall durch einen souveränen Aufstieg korrigierte, begleitete Kevin Herrmann den Heilbronner Verein, wir unterhielten uns mit unserem Kapitän vor diesem Finalspiel:

Hallo Kevin, als Kind des Heilbronner Fußballs könntest du mit dem FC Union Heilbronn nach vielen Anläufen endlich in den überregionalen Fußball zurückkehren. Wie hast du die Vergangenheit erlebt?

Ich habe damals beim alten VfR Heilbronn angefangen und die Oberliga- sowie Verbandsligaspielzeiten, später auch beim fusionierten FC Heilbronn, hautnah miterlebt. Ich habe meine komplette Jugend beim VfR und FC Heilbronn verbracht, wobei ich hier auch auf eine sehr erfolgreiche Zeit zurückblicken kann. Die Aktiven habe ich immer schon verfolgt, war damals auch mit dem Fanbus bei den Auswärtsspielen in der Landesliga dabei und habe den bitteren Niedergang miterlebt. Mit der Fusion zum FC Union Heilbronn ging ein Ruck durch den Verein, leider hatten wir in meinem ersten Aktivenjahr im Relegationsfinale vor knapp 3.000 Zuschauern nicht das nötige Quäntchen Glück, in den Folgejahren kamen zum fehlenden Glück auch viele Spannungen im Verein hinzu, auch wir als Mannschaft haben es in den entscheidenden Momenten nicht geschafft, unsere Qualitäten auf den Platz zu bringen, weshalb die lange ersehnte Rückkehr in die Landesliga ausblieb.

Dennoch spieltest du dann in der Saison 2016/17 in der Landesliga beim SV Schluchtern. Wie hast du den FCU dann aus der Ferne betrachtet?

Nach drei Vizemeisterschaften in den ersten drei Jahren und dem plötzlichen Tod von unserem Trainer Werner Habiger, der mich sehr gefördert und geprägt hat, musste ich einfach weg. Beim SV Schluchtern hatte ich eine sehr schöne Zeit in der Landesliga, auch das Folgejahr beim SC Böckingen verlief positiv, sodass ich gerne auf die zwei Spielzeiten abseits des FCUs zurückblicken kann. Natürlich war er hart, als der FCU damals aus der Bezirksliga abgestiegen ist, nach dem Wiederaufstieg im Folgejahr war für mich klar, dass ich den Weg fortan mitgehen und mitgestalten möchte. Ich habe mir mit der Rückkehr fest zum Ziel gesetzt, den FCU wieder in die Landesliga zu führen, sodass ich dem Verein seitdem treu geblieben bin, auch wenn ich immer wieder in höhere Ligen hätte wechseln können. Es ist ein Privileg, in solch einem Stadion und für so einen Verein mit dieser Tradition spielen zu dürfen. Der Verein mit der Infrastruktur ist zu Höherem berufen, das war seit dem ersten Tag klar und treibt mich heute noch an, mehr zu tun, als man als Spieler eigentlich machen müsste.

Nun könnte es am Samstag wahr werden und ihr in die Landesliga zurückkehren. Wie groß ist die Vorfreude auf dieses Herzschlagfinale?

Es ist unglaublich, wir wussten, dass wir eine nahezu perfekte Rückrunde spielen müssen, um dieses Finale zu erreichen. Das haben wir geschafft, dafür muss ich der Mannschaft jetzt schon ein Riesenkompliment machen. Doch jetzt hat jeder Einzelne, dessen Herz für den FCU schlägt, dieses große Ziel vor Augen. Mich haben viele Nachrichten erreicht, in den Gesprächen mit den Verantwortlichen, den Senioren und den Fans merkt man die Sehnsucht nach dem Titel. Ich wäre am Samstagabend der glücklichste Mensch, wenn wir den Fans, die in all den Jahren trotz der Stürme dem Verein treu geblieben sind, als Mannschaft etwas zurückgeben können. Leider mussten wir uns in jüngster Vergangenheit auch von einigen treuen Seelen verabschieden, die den Verein mit Herzblut geprägt haben. Auch für diejenigen werden wir alles geben. Und sollte es nicht reichen, werden wir trotzdem den Weg als Mannschaft geschlossen fortführen. Wir haben in der jüngeren Vergangenheit viel richtig gemacht, diese Arbeit wird schlussendlich immer belohnt.

In diesem Sinne, am Samstag alle ins Stadion. Bringt eure Freunde, Familie und Bekannte mit und lasst uns etwas Historisches schaffen!

Fotograf: Kevin Rosenberger